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24 Oct
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Suara Keheningan | Inosensius I. Sigaze, O.Carm

Predigt | 30. Sonntag, 24. 10. 2021 | Jer 31, 7–9; Hebr 5, 1–6; Mk 10, 46b–52 

Jeder, der eine Augenkrankheit hat, fühlt sich immer sehr unwohl. Empfindet es als unbequem, vor allem beim Lesen und Betrachten von etwas Anderen. Manche sagen, es sei besser, blind geboren zu werden, als zu sehen und dann blind zu sein. Wenn ein Mensch von Geburt an blind ist, weiß er nicht, wie wichtig das Sehen ist. Er weiß vielleicht nicht, was er sieht. Können wir Gottes Gegenwart in unserem Leben erkennen? Haben wir noch genug innere Fähigkeit und Energie, um Gottes Wirken zu sehen?

1. In unserem Glaubensleben ist unser Sehsinn nicht nur ein äußerer Sinn, sondern es gibt auch einen inneren Sinn. Der Mensch hat die innere Fähigkeit auch das zu sehen, was nicht mit den Augen gesehen oder mit den Ohren gehört wird. Es gibt sogar eine Wirklichkeit, die wir sehen können, wenn wir für andere blind und taub sind. Wenn wir offen für die Wirklichkeit Gottes sind, dann ist das ein großes Glück. 

2. Nach dem Fall der beiden Königreiche Israel und Juda durfte auch Jeremia, der Prophet des Untergangs, eine tröstende Botschaft überbringen, dass Gott für sein Volk sorgen werde. Wie ein Hirte und ein Vater wird er den Rest Israels wieder sammeln; Er will die Verwundeten heilen und die Verlorenen retten. Dazu gehören auch Blinde und Lahme. Alle werden nach Zion gebracht. 

3. Jeremias Trostbotschaft zeigt die große Hoffnung, dass Gott soziale Widrigkeiten berücksichtigen wird. Jeremias tröstende Botschaft besteht darin, zuallererst denen Hoffnung zu geben, die verzweifelt oder sogar blind sind, Gottes Werk zu sehen. Jeremias tröstende Botschaft war Ausdruck seines eigenen Glaubens, dass Gott nie vergessen würde, was ihm gehörte. Gott nimmt sich nicht nur derjenigen an, die körperlich blind sind, sondern auch derjenigen, die nicht die innere Fähigkeit zum Sehen haben. Ja, körperliche Lähmung, Glaubensblindheit und Glaubenslähmung sind alle wichtig und werden von Gott berücksichtigt. Die messianische Hoffnung begann Wirklichkeit zu werden, als Jeremia den Blinden und Lahmen Hoffnung gab. 

4. Die Geschichte Gottes mit seinem Volk zeigt, dass Gott als Vater und als guter Hirte immer wieder seine besondere Liebe zu Israel gezeigt hat und dass Israel sich dieser Auserwählung bewusst war. Im heutigen Psalm heißt es: „Ja, groß hat der Herr an uns gehandelt. Da waren wir voll Freude.“ 

5. Die Lähmung und Blindheit des Glaubens werden durch beharrliches Gebet verändert. „Wende doch, Herr, unser Geschick, wie du versiegte Bäche wieder füllst im Südland!“ Die Lähmung und Blindheit des Glaubens werden enden, wenn man eine neue Hoffnung hat: „Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.“ 

6. Jeder, der ein inneres Auge hat, kann auch das wahrnehmen, was über das äußerlich Sichtbare hinausgeht. Er kann zum Glauben finden. Wenn man Glaubenserfahrungen in seinem Leben machen kann, dann hat man tatsächlich Grund, an Gottes Wort zu glauben und Gottes Treue zu trauen. Der Brief an die Hebräer zeigt, warum sie an Jesus glaubten. Es heißt dort: Wir haben einen Hohenpriester: Jesus, den ewigen Sohn Gottes. Er ist einer von uns, also kann er mit unseren Schwächen mitfühlen, und er ist von Gott dazu bestimmt, den Menschen zu dienen. Darin ist er wie die Hohenpriester des Ersten Testaments; aber sein Priestertum ist sehr erhaben; er ist der Sohn Gottes, und sein Priestertum ist das ewige Priestertum. Er hat die Macht, alle zu retten. 

7. Gott hat nicht nur zur Zeit des Propheten Jeremia seine Liebe zu Israel gezeigt, sondern hat die gleiche Liebe bis zur Zeit des Neuen Bundes allen Menschen erwiesen und erweist sie auch uns heute. Die Heilung des Blinden von Jericho ist die letzte Wundergeschichte im Markusevangelium. Der Blinde wusste, dass er blind war und schrie um Hilfe. Er sah und folgte Jesus. 

8. Diese Geschichte will uns sagen, wie wichtig die innere Sehkraft ist, die sich auf den Glauben bezieht. Bartimäus war in der Lage, das Werk der Liebe Gottes in seinem Leben zu sehen. Wie hätte er sonst zu Jesus rufen und ihm folgen können? Auch die Jünger Jesu waren zunächst blind. Sie gingen mit Jesus nach Jerusalem, aber sie verstanden seine Wege nicht; bei der Kreuzigung Jesu war der heidnische Hauptmann der Einzige, der sah und verstand: „Wahrlich, dieser Mensch ist der Sohn Gottes.“ 

9. Es stellt sich heraus, dass es keine Frage der physischen Nähe ist, die es jemandem ermöglicht, zu sehen und zu verstehen. Es ist auch nicht so, weil die Aufnahme in die Kategorie der Jünger sie automatisch in die Lage versetzt, zu sehen und zu verstehen. Es liegt auch nicht an ihrem häufigen Zusammensein, das es ihnen ermöglicht, zu sehen und zu verstehen. Es ist ein innerlicher Prozess, der zu einem tieferen Sehen, zum Glauben führen kann, zu einem Grundvertrauen. Der griechische Begriff „pistis“, den wir im Deutschen mit „Glauben“ übersetzen, heißt zunächst „Treue“ und „Vertrauen“. Dieses Vertrauen hatte Bartimäus. 

10. Er konnte aus dem Glauben heraus sehen.  In den Evangelien ist hiervon öfters die Rede. So sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht“ (Lk 10,23). Oder denken wir an die berühmte Emmaus Geschichte. Jesus ging nach seiner Auferstehung mit zwei Jüngern nach Emmaus, ohne dass diese ihn sofort erkannten. Erst als sie bei Tisch waren, er das Brot nahm, den Lobpreis sprach, das Brot brach und ihnen gab, erkannten sie ihn. „Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr“ (Lk 24,30f.), berichtet das Lukas-Evangelium.

11. Bartimäus hat Jesus nicht mit den Augen, wohl aber aus seinem Glauben heraus gesehen. „Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“, sagt Antoine de Saint- Exupery in seinem Buch „Der kleine Prinz“. Vielleicht sollten wir dieses Wort abwandeln und sagen: Wir sehen nur mit dem Glauben gut. Bartimäus hat dies bezeugt. Jesus bleibt immer in unserer Nähe. Wir erkennen ihn als gläubige Christen. Wenn wir uns in unserer Not vertrauensvoll an ihn wenden, wird er helfen, so wie er es für richtig hält. Angst, Einsamkeit und Leid werden überwunden. Wir gewinnen Freiheit, Gelassenheit und Orientierung. Auch wir müssen erst von der Blindheit unseres Herzens geheilt werden.

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