„Ich werde die Schlüssel von Davids Haus auf seine Schulter legen.“


3 min dibaca
06 Nov
06Nov

1. Eines Tages bekomme ich eine SMS: Guten Morgen Ino, kannst du bitte mal schauen, ob ich meine Zimmertür abgeschlossen habe? Gruß. Ich bekomme diese Nachricht, nachdem ich kurz davor den Text der heutigen Lesung aus dem Buch Jesaja gelesen hatte und über den Schlüssel nachdachte, von dem da die Rede ist.

2. Zuerst wurde mir klar: Viele Menschen sprechen nicht über ihre Angst und Unruhe, aber andere verstehen, dass in jeder Mitteilung Angst und Unruhe stecken kann. Viele Leute reden nicht darüber, wie sie sich fühlen, aber eine Mitteilung darüber erwartet fast jede und jeder. Aus der obigen Nachricht geht hervor, dass es nicht nur um den Raum geht, der abgeschlossen wurde oder nicht, sondern dass der betreffende Mitbruder sich Sorgen macht und sich vergewissern möchte, ob die Tür zu seinem Zimmer noch offen ist oder doch verschlossen ist, nachdem er weggegangen war.

3. Das Bild zeigt, dass wir Menschen in allen Dingen und Lebensbereichen eine gewisse Sicherheit haben möchten. Kein Wunder, dass Menschen immer ihre Haus- oder Zimmerschlüssel bei sich haben. Wie vorhin schon angedeutet: Die Idee eines Schlüssels findet sich auch im heutigen Text der ersten Lesung. Gott berief nicht nur Eljakim, den Sohn Hilkias, zog ihm ein Gewand und einen Gürtel an und gab ihm Macht, sondern Gott legte auch die Schlüssel von Davids Haus auf seine Schulter. Vielleicht kommt es uns eigenartig und seltsam vor, dass die Schlüssel zu Davids Haus auf die Schulter Eljakims gelegt wurden. Was bedeutet dieses Bild?

4. Solche ungewöhnliche Vorgehensweisen können nicht nur für die Gewährung von Autorität und Macht von Bedeutung sein, sondern auch für die persönliche und öffentliche Verantwortung. Belastungen und Verantwortlichkeiten werden durch dieses Vorgehen auf eine Person übertragen, die speziell dazu berufen ist, den Einwohnern Jerusalems und dem Volk Juda Vater zu sein.

5. Im Alten Testament wird das hebräische Wort מַפתֵַּח“ (= „maphteach“) benutzt, welches mit “Öffner“ bzw. “Schlüssel“ übersetzt wird. Im Neuen Testament findet sich das griechische Wort “κλες“ (= „kleis“), womit ein Schlüssel zum Öffnen oder Verschließen eines Schlosses bzw. einer Tür bezeichnet wird.

6. Im Zusammenhang mit einer zukünftigen Gerichtsan-drohung spricht der Prophet in Jesaja 22, 15 – 25 von zwei Personen – Schebna und Eljakim – die im Licht der anderen alttestamentlichen Propheten und der prophetischen Aussagen des Neuen Testaments von vielen Kommentatoren typologisch-prophetisch auf den Antichristen und Christus gedeutet werden. In Jesaja 22, 20 – 24 wird dem Eljakim, der als ein Typus auf Christus hin gedeutet wird, Folgendes verheißen: “Und es wird geschehen an jenem Tag, da werde ich meinen Knecht Eljakim den Sohn Hilkijas, berufen, und ich werde ihn mit deinem Gewand bekleiden und mit deinem Gürtel fest umgürten und deine Vollmacht in seine Hand legen. Er wird den Bürgern von Jerusalem und dem Haus Juda ein Vater sein. Ich will ihm auch den Schlüssel des Hauses Davids auf seine Schulter legen, so dass, wenn er öffnet, niemand zuschließen kann, und wenn er zuschließt, niemand öffnen kann“.

7. Der Bericht über die Erteilung von Autorität an Eljakim wirft die Frage auf: Aus welchem Grund wurde Eljakim gewählt? Oder was war das Geheimnis des großen Vertrauens, das Eljakim hatte? Gibt es einen schlauen Trick, um bei Gott Vertrauen zu gewinnen? Aus Neugier könnte man auch fragen, wie Menschen Gottes Plan verstehen können. Es scheint, dass Gottes Geheimnis verschlossen ist. Denn in der Tat kennt kein Mensch seinen Plan wirklich, weder für unser eigenes Leben noch für das Leben anderer. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass Paulus fragt, wer Gottes Gedanken kennt. Es scheint, dass je höher das Wissen eines Menschen ist, dieser dann umso unfähiger ist, etwas bei Gott zu erreichen. Die Menschen können sich nur in Ehrfurcht vor Gott verneigen und ihn so verehren.

8. Der Schlüssel zum Verständnis Gottes kann unmöglich erreicht werden, wenn wir andere fragen: „Wer ist Gott“? Gottes Plan und seine Herrlichkeit können nicht ohne persönlichen Glauben verstanden werden. Und der persönliche Glaube kann nicht von der persönlichen Verantwortung getrennt werden. Deshalb wiederholte Jesus seine Frage an Petrus: Was sagst du, wer ich bin? Petrus zeigte seinen Glauben fest: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.

9. Dann betonte Jesus, dass der Glaube nicht nur ein Akt der menschlichen Person ist, sondern letztlich eine Gnade Gottes ist. Durch Gottes Gnade können sich die Menschen auf das einigen, woran sie glauben, und sie sind dann auch bereit, die Konsequenzen ihres Glaubens zu akzeptieren. Nachdem Menschen berufen wurden und zu diesem Ruf Ja gesagt haben, erhalten sie eine Mission entsprechend ihren jeweiligen Rollen, Funktionen und Fähigkeiten.

10. Gott rief und sandte nicht nur Eljakim und Petrus in die Welt, sondern verband diese Berufung auch mit Verheißungen. Das Schlüsselversprechen ist sowohl für Eljakim als auch für Petrus das Gleiche. Das Versprechen, den Schlüssel zu geben, galt nicht nur damals, sondern gilt auch heute. Nicht nur die Schlüssel zu Davids Haus, sondern auch die Schlüssel zum Himmelreich werden Petrus gegeben. Also sozusagen auch all denen, die auf Gottes Ruf antworten und Jesus Christus durch den Glauben als den Messias anerkennen.

11. Eljakim, Petrus und sogar wir alle werden Menschen genannt, die die gleiche Gelegenheit haben, in engerem Sinn Menschen Gottes zu werden, die den Schlüssel erhalten (κλείς). Das Substantiv κλείς für Schlüssel ist gleichzeitig eine Verbform. Die Endung -είς ist nämlich hier auch das Suffix der zweiten Person Singular Präsens Aktiv: „du schließest ab“. Wir sind alle nicht länger dritte Person Singular, sondern zweite Person Singular. Die zweite Person, die derzeit lebt und aktiv ist. Somit wird deutlich, dass die griechischen Schlüsselwörter, die wir im Text von Jesaja und Matthäus finden, uns nicht nur eine Perspektive auf die gegenwärtige Dimension der Zeit geben, sondern wir werden auch direkt angesprochen in der zweiten Person, als Du . Ein Begriff der Gleichheit in Bezug auf Pflicht, Mission und Verantwortung.

12. Wenn wir uns auf die Perspektive des obigen Schlüssels beziehen, wird die ursprüngliche Botschaft aussagekräftig: Wir werden uns leichter gegenseitig helfen und können uns auch gegenseitig fragen: Kannst du bitte mal schauen, ob ich meine Zimmertür abgeschlossen habe?

Ino Sigaze,O.Carm

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